Post für Dich 22. August 2025

#concert experience design

Ein Konzert entsteht immer in Gemeinschaft: Künstler:innen gestalten den Klangraum, das Publikum hört, fühlt, reagiert – und doch bleibt der direkte Kontakt zwischen Bühne und Saal oft flüchtig. Genau hier setzt unsere neue Projektkategorie Concert Experience Designs an. Wir wollen Räume öffnen, in denen Musik nicht nur gehört, sondern geteilt wird – durch Gesten, Worte und Begegnungen.

Eines unserer jüngsten Formate heißt „Post für dich“. Die Idee ist so einfach wie wirkungsvoll: Musiker:innen schreiben persönliche Zeilen an ihr Publikum. Kein Programmhefttext, keine PR-Sprache – sondern kleine, individuelle Botschaften, die Einblicke in ihre Gedanken zum Abend, zum Programm oder auch einfach zu ihrer aktuellen Stimmung geben.

Nähe durch Worte

Im Alltag eines Konzerts erleben wir Musiker:innen oft „nur“ auf der Bühne – hochkonzentriert, virtuos, vielleicht auch distanziert. Mit den Briefen öffnen sie ein ganz anderes Fenster: Sie teilen Erinnerungen oder Inspirationen, die ihr Spiel an diesem Abend prägen. Sie erzählen, warum ein bestimmtes Werk ihnen wichtig ist. Sie verraten, welchen Moment sie selbst kaum erwarten können. So entsteht eine neue Beziehungsebene zwischen Künstler:innen und Publikum: unmittelbar, nahbar und persönlich.

Entwickelt haben wir das Format im Rahmen des Residenzprogramms Inside Artists des Beethovenfest Bonn, gefördert von der Liz Mohn Stiftung. Bei unserem ersten Prototypen - beim Konzert von Giorgi Gigashvili & ensemble reflektor am 15.9.2024 im Pantheon Theater - zeigte sich, wie stark so ein Brief wirken kann – und auch, wie spielerisch er sich einsetzen lässt.

Gestaltung

Manchmal liegt der Brief auf dem Platz, bereit zum Öffnen, manchmal wird er persönlich überreicht. Mal schreibt eine Musikerin an eine ausgewählte Person, mal an den ganzen Saal. In manchen Fällen lädt der Brief sogar zum Weiterschreiben ein – das Publikum kann antworten und den Dialog um eine weitere Ebene erweitern.

Natürlich bringt so ein Format auch Herausforderungen mit sich: von der praktischen Umsetzung (Wer schreibt wie viele Briefe? Auf welchem Papier?) bis hin zur Gestaltung, damit die Botschaften nicht als „Werbematerial“ missverstanden werden. Doch gerade diese Fragen machen für uns den Reiz aus: Wir möchten ausprobieren, verwerfen, neu denken – und im Ideal Resonanzräume schaffen, in denen Musik und Mensch sich anders begegnen.

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