Die Kunst der Utopie - Das vermeintlich Fremde umarmen 17. Juni 2026

#1to1dialogues

UTOPIA DIALOGUES – der Podcast von 1:1 CONCERTS und TONALi. Hier geht es um die Zukunft der Klassik, um die Frage, wie Visionen entstehen und gefördert werden können, und um das exponentielle Potenzial utopischen Denkens. Aktuelle Herausforderungen der klassischen Musikszene werden zum Ausgangspunkt für radikal neue Ideen, die Kollaboration, Solidarität und die Demokratisierung von Konzertformaten stärken.

Der Podcast entstand anlässlich der Auszeichnung von 1:1 CONCERTS mit dem TONALi Award „Mut zur Utopie“. Sie umfasst eine einjährige Residenz in Hamburg und mündet in der Sozialen Symphonie am 3. Juli 2026 in der Elbphilharmonie Hamburg.


In der 11. Folge sprechen Christian von 1:1 CONCERTS und die TONALi-Akademistin Ipek Atila über das vermeintlich Fremde, übers Wandern, über Gastfreundschaft und Ipek spielt auf ihrer Geige Motive von türkischen Volksliedern und Bibers Passacaglia.

Der Podcast findet ihr auch auf RTL+ und Podcast.de.

Folge 11

Christian: Ihr Lieben, herzlich willkommen zurück bei den Utopia Dialogues, dem Podcast von 1:1 CONCERTS in Zusammenarbeit mit TONALi in Hamburg. Ich bin Christian und zusammen mit Franziska künstlerischer Leiter von 1:1 CONCERTS, dem wohl kleinsten, aber zugleich feinsten Konzertformat. In unserem Podcast dreht sich alles um Begegnungen, Resonanz und das, was dazwischen entsteht. Entstanden ist die Gesprächsreihe aus einem besonderen Anlass: der Auszeichnung “Mut zur Utopie”, die uns im vergangenen Jahr von TONALi in Hamburg in der Elbphilharmonie verliehen wurde. Ein ganzes Jahr lang konnten wir in der Residenz bereits einen gemeinsamen großen Klangraum entfalten und aus ganz vielen dieser Stimmen wächst seit Oktober partizipativ unsere Soziale Symphonie für die Elbphilharmonie, die am 3. Juli 2026 ihren Weg auf die Bühne findet. Und wie in unserem kleinen Konzertformat suchen wir die unmittelbare Begegnung in kurzen, dichten Gesprächen mit unseren Hamburger Partner:innen und dabei spüren wir Fragen nach, die uns bewegen. Das heißt, welche Utopien tragen wir in uns, persönlich wie gesellschaftlich? Und welche Rolle kann klassische Musik dabei überhaupt spielen? Als Resonanzraum, als Impuls und vielleicht sogar als Möglichkeitsort? 

Heute sind wir zu zweit im Podcast und ich heiße meine Gesprächspartnerin İpek ganz herzlich willkommen. Hoş geldiniz, liebe İpek. 

İpek: Merhaba. Hoş bulduk.

Christian: Wo bist du gerade, İpek? 

İpek: Ich bin in Weimar, in meinem WG-Zimmer. Ich bin İpek, komme aus der Türkei, bin Musikerin und mache die TONALi-Ausbildung seit 2025. Ich freue mich, hier in diesem Podcast sein zu dürfen 

Ipek Atila

Christian: Wir haben ja eine fünfsätzige Symphonie, einen Makrokosmos, den wir gemeinsam auf die Bühne bringen. Du wirst maßgeblich den zweiten Satz dieser großen Symphonie gestalten und dieser Satz, der will das vermeintlich Fremde umarmen. Magst du uns ganz kurz vorstellen, worum es in deinem Satz geht und wie es dazu kam, dass du diesen Satz so gestalten wirst? 

İpek: Das ist von meinem Quartier-Konzert inspiriert. Ich arbeite oft über ähnliche Themen. Und es ging darum: Was ist fremd? Es geht um Themen, mit denen man sich vielleicht nicht immer beschäftigen möchte: wie eine Gesellschaft überhaupt funktioniert. Welche Menschen fühlen sich gesehen oder gehört? Und was muss geschehen, dass auch die Menschen eingeladen sind, die sich nicht so fühlen?

Als wir im Oktober diesen Workshop hatten, habt ihr uns diese Aufgabe gegeben, eine “Topie” zu finden und zu fotografieren. Und meine “Topie” war: zwei Türen, die zu einer Wohnung führten.

Und da habe ich mir sofort die Frage gestellt: führen die Türen zu ein und derselben Wohnung und hat sie einfach zwei Türen oder sind es zwei unterschiedliche Wohnungen in einem Gebäude? Und das hat irgendwie meine eigene Biografie und auch meinen Zustand damals sehr stark reflektiert: Wer bin ich und welche Wege gehe ich in meinem Leben? Was steckt in dieser Zweiseitigkeit? Und je mehr ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe, desto mehr fügte sich der Rest mit den Schüler:innen. Und mir war klar, dass ich mit diesem Thema weiterarbeiten und darüber nachdenken wollte. 

Christian: Ich finde es interessant, dass wir uns im Projekt ganz oft über das Fremde unterhalten haben und in einem Gespräch mit Max (Guth) - der wie du im Musikensemble von asambura ist und mit denen wir maßgeblich die soziale Symphonie gestalten. Und beim Wort fremd korrigierte mich mal Max und meinte: „Man sagt fremd, aber man sollte eigentlich immer sagen, das vermeintlich Fremde." Was die Frage dann implizieren würde: Gibt es überhaupt das Fremde? Und, eine Frage, die ich dir gerne stellen möchte, ist: Kann Musik und wenn ja: wie helfen, diese Grenze zwischen dem vermeintlich Fremden und dem vielleicht vermeintlich Vertrauten zu verschieben oder sogar aufzulösen?

İpek: Ja, auf jeden Fall, weil die Musik ja die Emotionen auslösen kann. Und es ist nicht dogmatisch, es ist eine Begegnungsform dann, wenn es wirklich authentisch ist und wenn wir als Musikerinnen dass wir auch wirklich meinen. Das ist wichtig, denn dies ist meistens nicht der Fall. Es ist meistens über Leistung strukturiert, aber eigentlich geht es ja um Begegnung. Dass zwei unterschiedliche Seiten - sowohl von Publikums- als auch Musik:innen-Seite - dass wir uns gegenseitig die ganze Zeit Feedback geben, miteinander kommunizieren und uns begegnen: wenn das wirklich stattfindet, dann gibt es kein Fremdsein. Aber ich denke, generell ist es aus gesellschaftlicher Perspektive ein interessantes Konzept, weil fremd sind die Dinge, die wir noch nicht wirklich kennen und die Dinge, über die wir auch vielleicht Vorurteile haben. Und es ging mir wirklich auch darum, mutvoll die Menschen wirklich so zu sehen, wie die sind und sie zu akzeptieren. Und das wäre dann das vermeintlich Fremde und eigentlich bleibt es am Ende gar nicht fremd. 

Christian: Zu Beginn Deines Satzes steht ja dieses vermeintlich Fremde. Für den Beginn dieses Mikrokosmos im Makrokosmos, hast du Bibers Passacaglia gewählt, das ja auch sehr introspektiv und sehr „strukturiert“ gilt als Stück. Magst du uns das Stück kurz vorstellen? Und uns berichten, warum du genau dieses Werk ausgewählt hast?

İpek: Ich denke, generell sind die Konzepte, die ich bei TONALi entwickle, alle sehr intuitiv von mir selbst ausgegangen. Ich denke nicht so sehr in Adjektiven; das ist ein Prozess und es gibt eine Emotion dazu und deswegen verbinde ich das. Biber habe ich ausgewählt, weil das so ein Herzensstück für mich ist. Ich habe dieses Stück 2020 in Covid-Zeiten gelernt. Da waren wir sehr fremd alle! Also diese extrem meditative und diese innige Stimme, aber auch die Kraft, die Biber hat, repräsentiert für mich Wurzeln und die Suche nach Herkunft.

Ipek Atila und Viviane Ruof bei ihrem TONALi-Kiezkonzert

Das Stück ist ja in drei Teile oder drei Konzepte unterteilt, die in meinem Satz miteinander reagieren und funktionieren: der erste Teil handelt von Wurzeln und dann der Kraft des Aufblühens und der Zärtlichkeit dieses Prozesses. Also zum Zeitpunkt unserer Geburt, als Baby, da müssen wir ja geschützt sein vor der Welt. Und das ist ganz besonderer Prozess. Es ist ein neues Leben und diese Person atmet und sieht alles neu und das muss ja dann geschützt werden. Und genau dieses Gefühl von den vermeintlich fremde Personen, die sich auch irgendwie in einem Zustand finden, wo sie ihre Wurzeln suchen oder deren Herkunft oder Vergangenheit, das ist auch eine sehr zeitlicher Prozess. Und irgendwie hat das total mit mir resoniert: die Passacaglia von Biber. Deswegen habe ich dieses Stück ausgewählt. 

Christian: Ja, das resoniert auch total mit mir, liebe İpek. Also zu dem, was du gerade gesagt hast, fallen mir zwei Beispiele ein. Ein Beispiel ist der berühmte Zitat aus Schuberts Winterreise: „Fremd bin ich eingezogen, fremd ziehe ich wieder aus“, was eigentlich fast so ein bisschen „negativ“ ist, weil wir ziehen vermeintlich fremd vielleicht ein, aber unser Anspruch wäre doch vielleicht, dass wir den anderen so sehen, wie er ist und dass er vielleicht gar nicht so fremd ist, wie wir denken. Also ziehen wir womöglich gar nicht so unfremd, sondern eher versöhnlich und verschmolzen aus der Elbphilharmonie später wieder aus. Und das andere sind die berühmten „zwei Seelen, ach, in meiner Brust, von Goethe, ja. 

İpek: Ich erinnere ich mich noch, weil das hat wirklich meinen ganzen Oktober verändert, als du im Workshop damals dieses Goethe-Zitat erwähnt hast. Ich erinnere mich deshalb sehr gut, weil das mit mir extrem viel gemacht hat. Also auf unterschiedliche Art und Weise. Es es gibt ja immer zwei Seiten, niemals nur eine. Zwei macht ja auch Sinn, auch in Eurem Konzertformat, 1:1, aber auch im menschlichen Miteinander, in der Kommunikation. Wir brauchen einander und das ist auch ein Spiegel für mich. Also Du spiegelst mich zu mir zurück. Ich kenne mich besser, weil ich dir begegne. Verstehst du? 

Christian: Ja, vollkommen. Und ich würde sogar so weit gehen, dass vielleicht nicht nur ein oder zwei, sondern drei, vier oder fünf oder ganz ganz viele, so viel Seelen wie möglich in unserer Brust, pochen und schlagen. Da möchte ich ganz konkret wieder auf die Biber-Passacaglia zurückkommen, weil die Passacaglia ist ja ursprünglich ein Tanz aus dem 17. Jahrhundert - ein totaler Gassenhauer damals, also ich weiß nicht, wie man das in der heutigen Zeit vergleichen würde. Aber auf jeden Fall hörte man das damals in den großen Städten Europas, diese Passacaglia. Sie hat ein bestimmtes Motiv: einen sogenannten Ostinato-Bass, eine Basslinie, die immer wieder gleich ist und auf der sich ganz viele Seelen und ganz viele Variationen erheben. Aber nach der Passacaglia geht es ein Stückchen weiter. Magst du uns schon teasern, was uns da erwartet in deinem Kosmos? 

İpek: Also, in dem zweiten Teil geht es danach um das Gefühl von Geborgenheit und Sehnsucht. Es beginnt mit einem anatolischen Volkslied aus der Türkei, also aus einer türkischen Region. Wir wissen nicht, wo es ganz genau herkommt. Dieses Lied wollte ich mit auf die Bühne nehmen, weil es mich immer sehr berührt hat und wegen unterschiedlicher Kontexte auch sehr wichtig war. Wir machen ja auch dieses Konzert ziemlich partizipativ, wo jede Menge Schüler:innen dabei sind. Und andere Menschen auch. Ich wollte etwas mitbringen, mit dem die Menschen, die sich nicht unbedingt in einem Elbphilharmonie- Konzert eingeladen fühlen, auf der Bühne trotzdem identifizieren können. Und nicht alle würden sich jetzt trauen, auf die Bühne zu gehen, aber wenn die etwas Bekanntes hören, dann sind sie so: „Ah, okay, jetzt bin ich doch nicht allein. Die meinen mich." Und deswegen habe ich dieses Lied ausgewählt. Es ist auch sehr poetisch und wirft die Frage in den Raum: wenn wir alle genauso sein können, wie wir sind, was können wir mitbringen?

Und ich habe sehr oft über die türkische, aber auch aus dem Balkan stammende oder alle anderen Minderheiten jetzt in Deutschland sehr viel nachgedacht. Wie werden wir wahrgenommen und so. Ich denke zum Beispiel, dass wir ein sehr poetisches Land sind und wir haben so eine sehr besondere Ambivalenz, wenn es um Emotionalität geht. Und das kann auch bereichern und das wollte ich einfach mitteilen. Auch diese Liebe, diese bedingungslose Liebe und die Gastfreundschaft. Also es gibt vieles, das ich auch über mein Land nicht toll finde, zum Beispiel die Politik, aber es gibt auch ein paar schöne Sachen und das wollte ich teilen. Aber wie gesagt, das ist auch alles sehr subtil gemacht. Also ich sehe auch wieder sehr viele Verbindungen inzwischen. Also diese Zweiseitigkeit oder zwei Kulturen oder so. Unterschiedlich sind die nicht in den Emotionen, die sind ähnlich und deswegen passen ja miteinander auch sehr gut zusammen.

Christian: Und dieses türkische Lied, „Odam Kireç Tutmuyor" bringt ja noch eine ganz eigene kulturelle Klangwelt mit. Wie fügt sich das dann in die Gesamtdramaturgie deines Satzes ein? 

İpek: Dieses Motiv ist meistens das Motiv von dem wandernden Dichter. Die wandernden Dichter sind früher von Dorf zu Dorf gegangen und haben rezitiert und gesungen gleichzeitig. Eigentlich wie Homer oder so. Und diese Mischung finde ich sehr interessant, bei einem Motiv, das man immer improvisiert mit der Poesie und Gesang und dass man diese Freiheit und Flexibilität hat. Man hat auch zu Essen bekommen, wo man dann gespielt hat - wieder sehr viel Gastfreundschaft. 

Ipek mit einer Schülerin auf dem TONALi-Campus in Hamburg © Pauline Schüler

Christian: Ich finde es interessant, weil das Wanderermotiv geht ja durch die Kulturen hindurch. Mir als Wagner-Menschen fällt auch immer gleich Wotan ein, der durch die die Welt wandert, aber auch bei dem Schubert, den ich vorhin genannt habe… also auch in der klassischen Musik gibt es dieses Wandermotiv. Und wo es auch immer vorkommt, dieses Wandern bedeutet ja auch, dass ich meine Heimat oder das, was mir vertraut ist, ganz mutig verlasse oder zurücklasse und auf zu neuen Ufern und zu neuen Welten aufbreche - aber gleichzeitig das Meine ja auch immer mittrage. Aber dieses Meine verwandelt sich ja auch dadurch, dass ich woanders hinkomme. Richtig? 

İpek: Ja, voll. Und ich denke, das ist auch eine wichtiger Transformationsprozess für jedes Individuum. Also natürlich habe ich meine eigene Version davon erlebt. Es kann örtlich sein, also dass man von Punkt A zu Punkt B umzieht oder so. Aber es gibt ja so viele unterschiedliche Formen des Wanderns. Und ich will das gar nicht generalisieren. Ich benutze immer dieses Wort, aber es ist viel subtiler. Und es ging auch nicht darum, dass wir das definieren, aber ich denke, einen Raum öffnen, wo Menschen sich fühlen: „Okay, ich darf das jetzt fühlen. Und es tut auch bisschen weh, aber es macht mich auch viel tiefer und das ist schön. Ich denke, die wichtigsten Themen sind nicht so einfache Themen, gleichzeitig sind es wichtige Themen für unsere Gesellschaft und für die Zukunft - aber genau deswegen möchte ich das auch sehr zeitlich behandeln.

Ich möchte nicht, dass Menschen irgendwie mit einem bestimmten Dogma oder mit einem bestimmten Statement rausgehen, sondern mit Fragen. Ich möchte, dass sie vielleicht mehr reflektieren oder sich einen kleinen Moment für sich selbst nehmen und wahrnehmen und merken: „Okay, ich bin jetzt hier und diese Person bin ich."

Christian: Und vielleicht können aus solchen musikalischen Begegnungen - wir gestalten immerhin eine eine soziale Symphonie - unsere Hörer:innen für den gesellschaftlichen Umgang mit Fremdheit lernen? Also was lernen sie da gewissermaßen von uns?

İpek: Also es ist sicherlich ein sehr großes Ziel von mir und es ist auch vielleicht etwas ambitioniert, aber unsere Verantwortung als Künstler:innen in einer Gesellschaft ist auch genauso: zu spiegeln, was in unserer Gesellschaft passiert, das Gute und das Schlechte. Und wenn auch eine Begegnung abgelehnt wird oder wenn Menschen sich auch beurteilen, dann muss man auch das sehen. Und, ich sehe es als eine große Chance an, das in der Elbphilharmonie überhaupt zeigen zu können. Und ja, was können die Hörer:innen von uns lernen? Ich weiß es nicht. Also ich denke, ich, bin noch sehr jung und so. Ich möchte jetzt nicht andere belehren. Ich denke, es geht darum, ehrlich zu sein. Es sind nun einmal die Themen, mit denen ich mich viel beschäftige und zwar schon seit langem. Ich habe mich immer gefragt, wer ich überhaupt bin und ein Teil ist natürlich der türkische Teil, obwohl ich mich da auch nie wirklich zu Hause gefühlt habe. Und in Deutschland fühle ich mich eigentlich schon zu Hause, aber ich weiß ja, dass ich hier nicht geboren bin.

Ipek Atila

Das hat als Thema auch in meinem Studium immer eine Rolle gespielt und ich möchte mich in meinem Studium damit auseinander setzen. Überall fällt mir dieses Thema auf, dass unterschiedliche kontrastierende Elemente aufeinander treffen. Und es resoniert auch mit meinem eigenen Prozess. Aber es geht nicht darum, dass ich irgendwas lehren will. Vielmehr möchte ich mich öffnen und zeigen, dass es so etwas gibt und dass das vollkommen in Ordnung ist. Und ich träume einfach. Ich hoffe auf eine Zukunft, in der auch andere Menschen sich öffnen und sich begegnen können. Und das ist genauso wichtig für die Schüler:innen, mit denen ich arbeite. All diese vielen Ideen kommen aus meiner Erfahrungswelt damit. Die Schüler:innen haben so viel Inspiration und manche Menschen fragen sich vielleicht, woher diese Inspiration kommt. Oder wie man so etwas macht? Wobei ich mir denke, es ist eigentlich alles da, aber wir beschäftigen uns oftmals nicht mit dem Gegenüber. Wir fragen nicht danach, wie es dem/der Anderen geht.

Ich bin extrem überrascht und so inspiriert von meinen Schüler:innen und auch den Menschen, mit denen ich Interviews in der Schanze gemacht habe. Aber auch meine Co-Akademist:innen: ich sehe so viele Inspirationsquellen und je mehr ich das sehe, umso mehr fühle ich mich weniger fremd und weniger einsam. Ich weiß, dass das mein ganz eigener Prozess ist, aber das ist auch in Ordnung. Aber da gibt es dann immerhin schon eine Person, die das erlebt hat und es gibt diese Person, die das erkennt das führt zu mehr Licht und mehr Freude. Vor dem Prozess gab es immer irgendwie eine bestimmte Seite, die sich wie weggeschoben anfühlte und nur die andere fokussiert war.

Franziska und Ipek mit Schüler:innen auf dem TONALi-Campus in Hamburg © Pauline Schüler

Und jetzt schlussendlich kann ich beide Seiten miteinander integrieren und gucken, wie schön das sein kann. Und je mehr ich solchen Menschen begegne wie Dir, Franziska, aber auch den anderen Akademist:innen, desto mehr ich fühl mich extrem hoffnungsvoll. Und natürlich geht es um Hoffnung. Sonst hätte ich das ja gar nicht ausprobiert. 

Christian: Natürlich. Und was ich so ein bisschen raushöre und was ich eigentlich ganz schönes Fazit vielleicht sogar finde, ist, dass die eigentliche Arbeit damit beginnt, das vermeintlich Fremde an sich selbst zu lieben und vielleicht auch dem vermeintlich Fremden in sich selbst bedingungslose Zuneigung zu geben und dann nach außen zu gehen.

Ich möchte dir auf jeden Fall danken, liebe İpek, für den großen und sehr intimen Einblick in deine Utopie und in deinen Satz. Und, bevor wir unsere Hörer:innen nun entlassen, bevor sie vielleicht sogar ihr mobiles Endgerät nach diesem wunderbaren Podcast ausschalten und nach draußen gehen und ganz utopisch sich freuen auf das, was da kommt: liebe İpek, was möchtest du deinen Hörer:innen noch mitgeben? Was können sie genau jetzt nach unserem Podcast tun, um schon ein kleines Stück in Richtung des zweiten Satzes der sozialen Symphonie vorzufühlen?

İpek: Also es gibt nichts Konkretes. Ich kann nur sagen, wie ich künstlerisch denke. Also erstens möchte ich alle Menschen irgendwie einladen, mehr künstlerisch und liebevoll mit der Welt umzugehen. Ich denke, das ist eine Begabung, die wir alle in uns tragen. Es muss nur irgendwie aktiviert werden. Und was meinen Satz anbelangt, so habe ich ja nichts „Großartiges“ gemacht in dem Sinne. Ich habe einfach sehr viel beobachtet und gesammelt und das gefällt mir. Ich sammle auch einfach Momente, die ich mir so zu eigen mache. Und all diese schönen Sachen möchte ich dann auch genießen. So fühle ich mich wirklich lebendig. Und wenn die Hörer:innen jetzt fertig sind mit diesem Podcast, würde ich sagen: geh‘ doch raus und genieß dein Leben. Das ist jetzt vielleicht ein bisschen viel, aber genieß doch immmerhin deine fünf Minuten, die Deine unmittelbare Zukunft sind und dann tue doch irgendetwas Nettes oder sage etwas Nettes oder Liebevolles zu einer Person, die du noch nicht kennst.

Christian: Sehr schön. Das wollen wir auf jeden Fall unseren Hörer:innen raten, liebe İpek. Geht raus, werdet künstlerisch, beobachtet euch, liebt euch und das andere, umarmt vielleicht auch mal euch selbst, aber auch das vermeintlich Fremde. Und vor allem, ihr lieben Zuhörer:innen, hört euch auch die anderen Folgen an. So entsteht aus dem Puzzlestück schon ein großer Eindruck von der sozialen Symphonie, zu der wir euch alle einladen wollen. Und vor allem: kommt zu uns in die Elbphilharmonie am 3. Juli 2026. Seid mutig, liked gerne diese Folge. İpek und ich freuen uns auf eure Gedanken und Anregungen und euer Feedback auf team@1to1concerts.de.


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