Die Kunst der Utopie - Blumen aus Frühstückspapiertüten 29. Juni 2026

#1to1dialogues

UTOPIA DIALOGUES – der Podcast von 1:1 CONCERTS und TONALi. Hier geht es um die Zukunft der Klassik, um die Frage, wie Visionen entstehen und gefördert werden können, und um das exponentielle Potenzial utopischen Denkens. Aktuelle Herausforderungen der klassischen Musikszene werden zum Ausgangspunkt für radikal neue Ideen, die Kollaboration, Solidarität und die Demokratisierung von Konzertformaten stärken.

Der Podcast entstand anlässlich der Auszeichnung von 1:1 CONCERTS mit dem TONALi Award „Mut zur Utopie“. Sie umfasst eine einjährige Residenz in Hamburg und mündet in der „Sozialen Symphonie“ am 3. Juli 2026 in der Elbphilharmonie Hamburg.

In der 13. Folge sprechen Christian von 1:1 CONCERTS und Johanna Zill  von TONALi mit den beiden Hamburger Schülerinnen Paula und Loreley über das Verschenken von Blumen aus Frühstückspapiertüten, über einen Stuhl, den Paula auf der Straße gefunden und bei einem TONALi-Konzert mit auf die Bühne gestellt hat und darüber, wie sich eine Bühne verändert, wenn Jugendliche bei einem Konzert mitwirken. 

Christian: Liebe Hörer:innen, herzlich willkommen zurück bei den UTOPIA Dialogues, dem Podcast von 1:1 CONCERTS in Zusammenarbeit mit TONALi in Hamburg. Ich bin Christian und gemeinsam mit Franziska bin ich künstlerischer Leiter der 1:1 CONCERTS, dem wohl kleinsten, aber zugleich feinsten Konzertformat.

Ein ganzes Jahr lang haben wir nun partizipativ gearbeitet, um am 3. Juli 2026 unsere soziale Symphonie auf die große Bühne der Elbphilharmonie zu bringen. Und in unseren begleitenden UTOPIA Dialogues haben wir ganz viele unterschiedliche Gespräche geführt und das partizipative Projekt beleuchtet.

Heute ist eine ganz besondere Folge dran, denn in Vertretung für über 70 Hamburger Schüler:innen, die an dem Projekt aktiv beteiligt sind, haben wir uns zuerst Paula und dann Loreley eingeladen, um mit ihnen über die Arbeit an diesem ungewöhnlichen Projekt zu sprechen. Aber das will ich nicht alleine tun, sondern begrüße zunächst Johanna aus dem TONALi-Team, mit der ich bereits in der fünften Folge gesprochen habe. Sie ist für die Publikumsakademie verantwortlich und koordiniert maßgeblich die Zusammenarbeit mit den Schüler:innen. Hallo Johanna. 

Johanna: Hallo Christian, schön, wieder da zu sein in diesem Kontext.

Christian: Ja, schön, dich wieder im Podcast zu haben. Eine ganz besondere Folge heute. Warum, liebe Johanna, sprechen wir heute mit den Schüler:innen? 

Johanna: Ja, die Schüler:innen gestalten das Projekt natürlich maßgeblich mit. Sie geben ganz viele Ideen und auch immer wieder neue Energie rein. Und da ist es natürlich absolut relevant, dass sie hier auch ihren Platz finden. Sie sind seit Herbst schon mit dabei und haben uns jetzt das ganze Jahr begleitet und immer wieder das Projekt auch in eine neue Richtung gelenkt und davon wollen wir ein bisschen berichten. 

Christian:Absolut. Was ist denn der Ausgangspunkt gewesen für die Beteiligung der Schüler:innen? Da denken wir jetzt zurück an Oktober 2025. Da ist einiges passiert. 

Johanna: Genau, ich hab ja in der letzten Folge schon erzählt, dass unser Projekt mit einer persönlichen Einladung bei uns ins Seminar gestartet ist, in dem sich die Schüler:innen für eine Minute in die Augen geschaut haben, ihre Gedanken und Gefühle dabei aufgeschrieben haben und daraus dann eine musikalische Improvisation entstanden ist. Und danach gab es eine Phase, in der die Schüler:innen Schulkonzerte organisiert haben, 1:1-Konzerte selbst erlebt haben und dann sind sie im Januar auf eine Recherchereise bei uns in den Stadtraum, ins Kunstschutzgebiet gegangen und haben dort Material gesammelt, aus dem sie ihre Szenen für die Soziale Sinfonie und auch für ein Quartierskonzert gestaltet haben.

Christian: Und wir werden heute in der Folge auch hören, was da, was da alles gesammelt wurde und wie das später den Weg auf die Bühne der Elbphilharmonie finden wird. Aber was verändert sich denn allgemein an einem Konzert, wenn Schüler:innen eben nicht nur im Publikum sitzen, sondern partizipativ Mitgestaltende sind, Johanna?

Johanna: Ich finde, Bühnen, die mit Schüler:innen oder Jugendlichen gefüllt sind, die bekommen immer eine andere Ehrlichkeit und eine andere neue Qualität dadurch, dass die Jugendlichen oft so sie selbst sind. Und dass ihre Präsenz hinterfragt einfach ganz viel an Ritualen und an dem, was Qualität sein soll auf so einer Bühne. Und das bringt auch diejenigen, die sich schon lange mit Bühnenpräsenz und Rollen auf der Bühne beschäftigen, also unsere Musiker:innen auch immer wieder neu zum Nachdenken und rüttelt einfach auf und das ist genau richtig.Ich glaube, es ist absolut an der Zeit, all das, was wir aus einem klassischen Konzert kennen, zu hinterfragen. Und das klappt sehr gut, wenn man ganz viele Jugendliche dabei hat. 

Christian: Ich erinnere mich an die Podcast Folge, in der wir gesprochen haben: da habe ich dir eine Frage gestellt, zu dir und deiner Enkelin, wenn ihr 2075 in ein „ideale Konzert“ geht und was denn passieren müsste, dass das wirklich ein gelungenes Konzert ist für diese Enkelin. Jetzt, nach dem ganzen intensiven Arbeits-Prozess, interessiert mich,  gehen wir denn ein Stück in die Richtung dieses Konzertes, von dem du utopisch gesprochen hast, mit dem du in deiner Enkelin bist, ein quasi „ideales Konzert“ in der Zukunft? Und wenn ja, was würde es zu diesem Zukunftsmodell machen? 

Johanna: Ich glaube schon ein Stückchen. Ich hab war in der Situation ein wenig überrumpelt von der Frage und fand es schwierig, sie zu beantworten. Das hat natürlich in mir nachgewirkt und ich glaube schon. Also ich glaube, dass wir schon versuchen, das Publikum auch ernst zu nehmen und als Teil von diesem ganzen Konstrukt zu sehen; und auch irgendwie persönlich jedem Einzelnen Raum zu geben. Zum Beispiel im Foyer der Elbphilharmonie wird es ein Kartenspiel geben, was von Schüler:innen betreut wird, wo sich das Publikum zu bestimmten utopischen Fragen, die wir im Prozess entwickelt haben, unterhalten können. Und auch im Konzert selber wird es Momente geben, wo das Publikum, mitmusiziert, mitgestaltet und ich glaube, atmosphärisch kriegen wir das schon hin. 

Christian: Da bin ich ganz überzeugt und würde an der Stelle jetzt gleich immedias res gehen wollen und nicht über die Schüler:innen sprechen, sondern mit ihnen. Und deswegen freue ich mich jetzt, gemeinsam mit dir, Johanna, mit Paula und mit Loreley über diesen gesamten Prozess unserer gemeinsamen Arbeit zu sprechen. 

Jetzt heiße ich Dich, Paula, ganz herzlich willkommen bei den UTOPIA Dialogues. Magst du dich kurz vorstellen und sagen, aus welcher Schule du bist? 

Paula: Hi, ich bin Paula, bin siebzehn Jahre alt und von der Stadtteilschule Blankenese. 

Christian: Liebe Paula, magst du mir und unseren Hörer:innen noch verraten, wie du zum Projekt der Sozialen Symphonie gekommen bist?

Paula: Ich bin durch meine Lehrerin zum Projekt gekommen, denn sie hat uns für das TONALi-Projekt zunächst angemeldet. Und es hat mir direkt total gut gefallen. 

Christian: Was war denn da so dein allererster Gedanke, als du von der sozialen Symphonie und von dem Projekt gehört hast? Was  hast du dir darunter vorgestellt?

Paula: Ihr müsst wissen, dass ich für zwei Monate am Anfang des Schuljahres im Ausland war. Und als ich zurückgekommen bin, da hieß es: „Bald gibt es 1:1 Konzerte.“ „Was für Konzerte?“ „Ja, von Tonali." „Was ist das?" Und dann haben die mich da quasi ins kalte Wasser geschmissen und dann habe ich dieses 1:1 Konzert gehabt, mit Chiara, glaube ich.

Und sie hat so wunderschöne Musik gesungen, das fand ich total berührend und ja, mir hat das direkt gefallen. Wie schön. Also, die 1:1 Konzerte haben da schon ganz am Anfang des Projekts eine große Rolle gespielt. Es wird diese 1:1 Konzerte auch am Tag der Elbphilharmonie geben.

Christian: In der Tat sind unsere Konzerte ein Format, welches das ganze Projekt umspannt. Und was mich da ganz besonders interessiert, ist: Wie war das für dich in dieser Stille, in dem Blickkontakt mit der Chiara? Magst du uns kurz erzählen, wie sich das für dich angefühlt hat und wie die Musik dann für dich später geklungen hat?

Paula: Also ich muss ehrlich sein, dass ich froh bin, dass mir vorher gesagt worden ist, dass man still ist und sich einfach nur in die Augen schaut. Denn hätte ich mich nicht darauf vorbereitet, hätte ich mir gedacht: „Hm, das ist ungewohnt, das ist wirklich komisch.“ Aber als ich dann diesen Blickkontakt mit Chiara hatte, da war das total beruhigend, weil da so ein großes Vertrauen da war und so eine Sympathie zwischen uns beiden, obwohl wir uns noch nie in unserem Leben vorher gesehen haben. Ich fand das total schön, ehrlich gesagt. Ich fand es nur ein bisschen schade, dass ich Chiara nicht mitteilen konnte, wie schön sie gesungen hat. 

Johanna: Ihr habt ja im Nachgang diese Resonanz-Briefe geschrieben und darin auch eure Gedanken festgehalten. Kannst du dich noch daran erinnern, was du da aufgeschrieben hast, in Bezug auf die Musik oder das Gesamterlebnis?

Paula: Ich weiß es nicht mehr leider, aber ganz sicher habe ich Chiara ein Kompliment gegeben. 

Johanna: Genau, Chiara wird ja auch in unserer sozialen Symphonie zu hören sein, und zwar mit dem Fokus auf das Thema Pause. Und ihr seid ja auch in unserem Januar-Workshop rausgegangen: in den Stadtraum… und habt da was gefunden, richtig? Magst du einmal erzählen, wie das war?

Paula: Sehr gerne. Da stand vor einer Haustür in der Kälte ein Stuhl, der total kaputt und morsch war und meine Freundin meinte so: „Oh, da ist ein Stuhl." Wir sind darauf gekommen, wir nehmen ihn einfach mal mit. Da stand „Zu verschenken" drauf, für den Kontext. Und ja, diesen Stuhl haben wir erst mal einfach so mitgenommen, ohne irgendeinen Hintergedanken und irgendwann ist jemandem aufgefallen: „Hm, das hat auch was mit Pause zu tun." Und später haben wir angefangen, diesen Stuhl zu fotografieren: auf einer Terrasse, vor dem Fluss und einfach auf der Straße vor der Ampel. Wir haben uns darauf gesetzt, wenn wir grad wirklich nicht mehr weiterlaufen konnten. Er wurde quasi zu dem Symbol für: Pause

Christian: Wie schön. Also was mich da besonders freut, ist, dass der Stuhl ja auch quasi eines der Elemente im 1:1 CONCERT. Da sitzt man darauf und schaut dem anderen in die Augen und hört sich das Konzert an. Und damit ist es aber bei dem Stuhl nicht geblieben. Den habt ihr mitgenommen und was ist damit noch passiert, liebe Paula? 

Paula: Also ich, wir dachten uns, wir wollen diesen Stuhl erst mal reparieren und anschließend in das Konzert einbinden, irgendwie einbringen. Also nicht in das große Philharmonie-Konzert, sondern unser Quartierskonzert, im Hamburger Haus. Und dann hatten wir die Idee, wir könnten ihn doch ganz bunt bemalen, so wie in einer Utopie. Wir könnten diesen Stuhl farbenfroh machen, wir könnten irgendetwas ranhäkeln, was auch immer. Und als der Stuhl dann von einer tollen Lehrerin auf meiner Schule repariert worden ist, habe ich meine künstlerisch begabte Freundin gefragt, ob sie mir helfen könnte mit dem Stuhl, ob sie irgendwelche Ideen hat. Und sie hatte die Idee, dass wir den mit Acrylfarben bemalen und ihn so aussehen lassen, als würde er auf einer Blumenwiese stehen. Und der Prozess ist fast fertig. Wir haben ihn erst mal blau angemalt und dann die leere Wolken darauf getupft, die noch ein bisschen lila unterstrichen, und auch Gräser daran gemalt. Und wir wollen auch eine kleine Geschichte zum Stuhl erfinden. Die schreibe ich tatsächlich. Und uns dann auf der Bühne auf diesen Stuhl setzen und die Geschichte erzählen. 

Christian: Magst du uns ganz kurz erzählen, was in dieser Geschichte vielleicht vorkommen wird, worauf sich unsere Hörer:innen in Eurem Konzert vielleicht freuen können?

Paula: Ich erzähle erst einmal, wie der Stuhl sich alleingelassen fühlt und ausgesetzt worden ist und wie kalt es draußen ist und dass er sich wertlos fühlt. Und dann kommt jemand und sieht einen Wert in diesem Stuhl und bemalt ihn. Und das Leben von diesem Stuhl wird von da an immer besser und der Stuhl und diese Person werden beste Freunde.

Christian: Was für eine schöne Metapher für die Utopie, liebe Paula. Also wenn man etwas sieht, was offensichtlich Hilfe benötigt und man nimmt sich dessen an schafft etwas was ganz Neues. Ich zumindest bin total begeistert davon! Vielleicht können wir unseren Hörer:innen schon etwas anteasern, liebe Johanna?

Johanna: Na klar! Wir wollen diesen Stuhl natürlich nicht nur in dem Quartierskonzert auftauchen lassen, sondern wollen ihm auch auf der Elbphilharmonie-Bühne einen kleinen Spot geben. Liebe Hörer:innen, seid neugierig! Ihr werdet den Stuhl auch auf der Elfie-Bühne zu Gesicht bekommen. 

Christian: Und da sind wir gleich bei dem Stichwort Partizipation. Ich finde es ganz wichtig, zu sehen, wie viele Dinge in unserer Zusammenarbeit geschehen sind: Spaziergänge in den Stadtteilbezirken, verschiedene Konzerte, 1:1 CONCERTS und auch dieser Stuhl. Also sind haben eine ganz lange Reise angetreten, die dann am 3.07. in der Elbphilharmonie ihren großen Auftritt findet. Es klingt alles sehr komplex, so viele Stimmen und Meinungen und tolle Dinge haben sich eingebracht. Und was mich interessieren würde, liebe Paula: Warum ist es für dich wichtig, dass Schüler:innen bei so einem Projekt teilnehmen?

Paula: Also was ich total cool an diesem Projekt finde, ist, dass Schüler:innen sich in eine Sache einbringen können, die einen riesengroßen Wert hat, denn wir werden in der Elbphilharmonie auftreten. Das ist die bekannteste Konzerthalle in ganz Hamburg und man fühlt sich einfach so, als könnte man wirklich etwas bewirken: denn der Stuhl, den wir gefunden haben, wird wirklich auf der Bühne stehen. Das muss man sich erst mal denken. Und ich glaube, es ist wichtig für Schülerinnen und Schüler zu sehen, was sie alles machen können und dass sie nicht einfach nur Schüler:innen sind, sondern dass viel mehr möglich ist, als sie denken. Ja, also darauf freuen wir uns auch ganz besonders. 

Christian: Noch eine Frage möchte ich dir, möchte ich dir stellen, liebe Paula: Was hast du über Zusammenarbeit gelernt? Über Zusammenarbeit mit anderen in diesem Projekt. Was ist da für dich neu gewesen oder was nimmst du mit?

Paula: Ich habe gelernt, dass Vertrauen total wichtig ist und dass es aber auch total viel Freude machen kann, mit anderen Personen zusammen zu arbeiten und dass es alleine nicht so schön ist wie mit anderen Menschen.

Johanna: Und gibt es etwas, auf das du dich schon freust? Ist das der Stuhlmoment oder gibt es vielleicht noch einen anderen Moment, den du bereits mit Vorfreude erwartest, im Elbphilharmonie-Konzert? 

Paula: Ich freue mich ehrlich gesagt auf den Strudel aus Kindern, den wir erstellen werden, denn da ist jede:r auf der Bühne, aber es muss niemandem peinlich sein, weil wir alle einfach nur einem Strudel nachgehen. Und ansonsten freue ich mich nicht wirklich auf Kleinigkeiten, sondern auf das große Ganze. Einfach zu sehen, was wir und die anderen alles erarbeitet haben. 

Christian: Ja, danke. Das ist doch super. Also ganz, ganz herzlichen Dank, liebe Paula, dass du hier zu unseren Hörer:innen in den Podcast gekommen bist und ein bisschen verraten hast, was sie in der Elbphilharmonie alles erwarten können. Wir freuen uns auf dich, auf den Stuhl und auf das große Projekt. 

Paula: Vielen Dank an der Stelle. Vielen Dank an euch.

Christian: Ja, und dann möchte ich in unserem Podcast auch ganz herzlich dich willkommen heißen, Loreley. Magst du dich kurz vorstellen und sagen, aus welcher Schule du kommst? 

Loreley: Gern, ich bin Loreley. Ich bin 16 Jahre alt komme von der Stadtteilschule Winterhude. 

Christian: Und magst du unseren Hörer:innen noch erzählen, wie du zum Projekt der Sozialen Symphonie gekommen bist?

Loreley: Ich bin über meinen Musikunterricht zu dem Projekt gekommen. Unsere Lehrerin hat sich mit TONALi connected gehabt so ist dann die Zusammenarbeit entstanden. Und so bin ich durch den Musikkurs zu TONALi gekommen, also über meine Musiklehrerin

Christian: Ja. Und sag mal, Soziale Symphonie, das klingt ja irgendwie ganz ungewöhnlich. Was war denn dein erster Gedanke, Loreley, als du von dem Projekt gehört hast? Was dachtest Du, kommt da wohl auf dich zu? 

Loreley: Ja, also ein bisschen Überforderung war auf jeden Fall schon da, weil es auf jeden Fall nach etwas Großem klang und nach etwas Aufregendem und Besonderem aber auch. Und da habe ich überlegt, Symphonie und sozial, wie passt das zusammen? Und bei Symphonie habe ich zum Beispiel an viele Instrumente gedacht und an Musik, die gut harmoniert und zusammenpasst. Ja, bei dem Sozialen habe ich so ein bisschen daran gedacht, dass dieses Harmonische irgendwie auch mit vielen Menschen auch verbunden ist und viel Kontakt dabei entsteht. 

Johanna: Man lässt sich ja bei TONALi auch immer so ein bisschen auf so eine Black Box ein und da kannst du ja auch mal berichten, wie war das so, als ihr gestartet habt? Was hast du für in dem Projekt für eine Rolle eingenommen? 

Loreley: Also am Anfang hatten wir ein Konzert in der Schule und das war auf jeden Fall etwas ganz Neues. Da habe ich zusammen mit zwei anderen Schüler:innen moderiert und das war richtig cool, das hat mir richtig Spaß gemacht. Aber es war zum Anfang auf jeden Fall sehr neu; vor allem, weil ich beim ersten Workshop leider gefehlt habe. Da war ich krank und hatte so den ersten Eindruck nicht so ganz mitbekommen - und so kannte ich auch Antonia und Daniel noch gar nicht so gut. Aber ich muss aber sagen, dass das Konzert dann richtig schön war. Und es war auch richtig toll zu sehen, dass das dann am Ende alles gut geklappt hat. 

Christian: Du hast ein Schulkonzert schon selber moderiert, bist jetzt auch im Podcast dabei und hast gerade schon Antonia und Daniel erwähnt, die maßgeblich den letzten Satz, also den fünften Satz der sozialen Symphonie gestalten. Und in diesem letzten Satz geht es ja ganz viel um Zauber, um Magie. Mit ganz viel Magie wollen wir unsere Hörer:innen in der sozialen Symphonie auch entlassen oder ihnen etwas mit auf den Weg geben. Und in eurer Arbeit habt ihr  auch schon ganz viele feine Zaubermomente mit wildfremden Menschen gehabt. Magst du vielleicht unseren Hörer:innen erzählen, was da schon alles passiert ist? 

Loreley: Wir haben uns an einem Wochentag mit Antonia und Daniel getroffen und haben dann gemeinsam kleine Zettelchen geschrieben, wo jeder einfach irgendeinen Wunsch oder irgendeine liebe Nachricht für eine fremde Person draufschreiben konnte. Und dann haben wir auch noch aus Frühstückspapiertüten Rosen gebastelt, indem man die so eingedreht hat. Das fand ich recht simpel. Und dann haben wir dann fremde Leute angesprochen und denen dann immer einen Zettel und eine Rose übergeben, einfach so als kleine Freude. Und das war auf jeden Fall sehr aufregend, also vor allem so fremde Menschen einfach so anzusprechen. Und es gab tatsächlich auch Menschen, die sich zum Beispiel gar nicht so darüber gefreut haben, also die das nicht haben wollten oder die da nicht so daran interessiert waren. Das war dann schon ein bisschen ein kleiner Schlag. Einer aus unserer Gruppe etwa wurde dreimal gesagt, dass die Person nicht interessiert ist, also dreimal  hintereinander. Ja, aber das war auf jeden Fall sehr cool und auf jeden Fall was mal etwas Neues, das macht man ja sonst nicht so im Alltag. 

Johanna: Und haben Menschen auch positiv reagiert? Wie war das bei dir? 

Loreley: Also ich habe einer Frau eine Blume überreicht und die hat sehr positiv reagiert. Ich glaub, die war im ersten Moment ein wenig überrascht. Aber die meisten haben sich tatsächlich sehr gefreut, sie waren immer erst sehr überrascht. Das hat man immer so in den Gesichtern gesehen, denn wie selten passiert einem so etwas im Alltag: dass jemand einen anspricht und sagt: „Ich habe hier was für dich", also einfach so. Aber viele haben sich sehr gefreut. Wir haben auch einen Mann angesprochen gehabt und der wirkte sehr gerührt. Das war ziemlich schön zu sehen, dass er sich so gefreut hat.

Christian: Ja, das sind Begegnungen mit fremden Menschen. Die sind immer sehr überraschend und ich glaube, es ist ganz wichtig und spielt eine große Rolle: eben dieser Zauber in Alltagsmomenten. Ich glaube, dass man noch weitaus mehr davon haben sollte, gerade im Alltag. Überraschen sind ja auch unsere 1:1 BEGEGNUNGEN: da werden sich in der ganzen Festivalwoche auch ganz viele fremde Menschen begegnen. Das Kartenspiel konnten wir im letzten Workshop im April das auch erleben. Und Loreley, als du mit fremden oder dir noch nicht bekannten Schüler:innen zu den, zu Fragen aus dem Kartenspiel, das ihr mit euren Fragen extra gestaltet habt. Wie war für dich, über dieses Kartenspiel mit utopischen Fragen in Begegnung mit anderen Schüler:innen zu kommen?

Loreley: Also im ersten Moment war ich sehr nervös und war mir auch nicht sicher, ob ich mich überhaupt dazu setzen soll, weil man ja die meisten wirklich überhaupt nicht kennt. Und ich habe es dann aber trotzdem gemacht und muss sagen, dass es sehr aufregend war und auch ab und zu ein bisschen unangenehm, wenn man manchmal die Frage beantwortet hat, aber dann nicht so genau wusste was man danach sagen soll. Aber was ich zum Beispiel gut fand, war, dass ja jede:r eine Frage gezogen hat und man sich ja dann darauf einigen konnte, welche Frage man lieber beantworten möchte. Das war ganz gut, dass wenn man eine nicht so gut fand, dass man dann die andere nehmen konnte. Und es war auch ähnlich wie mit der Blumenaktion etwas ganz Neues und auch sehr positiv sozusagen. Mit einem Mädchen sind wir dann eher abgekommen von der Frage und sind dann so aufs Thema Schule gekommen. Ich hatte aber auch andere Leute, da haben wir halt kurz die Frage beantwortet und dann haben wir nicht weiter geredet. Also es war mal so, mal so, aber jetzt nicht negativ, sondern im Allgemeinen sehr positiv. 

Christian: Ja, danke dir. Also auf diese eins zu eins Begegnungen können sich die Zuhörer:innen auch in der Elbphilharmonie freuen. Auch im Foyer wird es die Möglichkeit geben, sich über topische Fragen - eure Fragen, liebe Loreley, auseinanderzusetzen. Aber ich möchte noch mal zu deiner Beteiligung an der Sozialen Sinfonie kommen. Du hast ja verschiedene Rollen und Positionen, die du da einnimmst: Du bist eine sogenannte „Bewegungsschülerin“, eine „Lichtschülerin“, eine „Chorschülerin“. Wow, also du bist überall beteiligt. Magst du ein bisschen erklären, was es damit auf sich hat? 

Loreley: Ja, wir konnten ja die Umfrage ausfüllen, woran wir uns gerne beteiligen möchten in der Elbphilharmonie. Und, ich hab mir immer gedacht, dass das eine Möglichkeit ist, die man wahrscheinlich nie wieder so haben wird, Und ich bin ein sehr aufgeschlossener Mensch und auch bei unserem Quartierskonzert moderiere ich jetzt, und ich singe auch. Also ich mach auch wieder sehr viel da. Und ich mach das einfach gerne und vor allem das mit dem Chor mache ich sehr gerne, weil mir Singen auch sehr viel Spaß macht. Und ja, ich möchte irgendwie auf nichts verzichten, sozusagen. Alles, was ich irgendwie gerne ausprobieren möchte, mache ich dann auch immer. Und, ich glaube, das liegt auch daran, dass ich sehr aufgeschlossen bin, dass ich mich das dann auch irgendwie traue. 

Christian: Ja, ich glaube, Mut spielt da auch eine ganz wichtige Rolle insgesamt in der Sozialen Symphonie

Johanna: Ja, ihr habt ja auch gemeinschaftlich gearbeitet an diesen ganzen Projekten. Hast du irgendwas Neues über Zusammenarbeit erfahren oder gelernt in diesem Projekt? 

Loreley: Also auf jeden Fall, vor allem, wo wir das Konzert in der Schule geplant haben, weil das dann doch ab und zu sehr stressig war, weil wir ja auch nur zwei Stunden die Woche den Musikunterricht haben und dementsprechend dann auch nicht so viel Zeit hatten, weil zum Beispiel dann auch noch Plakate gestaltet werden mussten. Dann gab es ein paar Mitschüler:innen, die das dann nicht ganz rechtzeitig fertig gemacht haben. Und ich glaube, dass wir da auf jeden Fall als Musikkurs ziemlich zusammengewachsen sind. Ich hatte nämlich den Musikkurs mit der Lehrerin auch schon in der achten Klasse und da hatten wir sozusagen nicht so eine starke Gemeinschaft. Aber jetzt, auf jeden Fall dadurch, dass wir auch zu TONALi gekommen sind, die Workshops mitgemacht haben und sozusagen manche Schüler:innen auch sozusagen auch mal mitmachen mussten und sich beteiligen mussten, sind wir auf jeden Fall mehr zusammengewachsen. Und ich glaube ich habe auch gelernt, wie man sich auch mehr auf andere einlassen muss. Manche möchten eine Sache vielleicht gerne machen, andere möchten das nicht so gerne machen, aber es gibt eben für jede Person eine gute Aufgabe. Also auch wenn man zum Beispiel nicht so gerne auf der Bühne steht, dann machst du vielleicht Fotografie oder kümmerst dich um die Technik oder so. Ich glaube, dass da auch jede:r bei uns aus dem Musikkurs auf jeden Fall was mitnehmen konnte, beziehungsweise kann. 

Christian: Wie schön. Also wir sehen, du bist an ganz vielen Ecken und Enden im Projekt mit beteiligt und mich interessiert jetzt, Loreley: Worauf freust du dich am 3. Juli am allermeisten?

Loreley: Also da habe ich keine einzelne Sache, aber ich freue mich allgemein sehr darauf. Also vor allem, weil es jetzt auch so der Abschluss von diesem Projekt ist, auf das wir ja das ganze Jahr darauf hingearbeitet haben. Und ich finde einfach die Möglichkeit, in der Elbphilharmonie aufzutreten, super aufregend und ich freue mich auf jeden Fall auf den Teil, wo ich im Chor mitsingen kann.

Christian: Was wird denn da genau gesungen? Magst du ein bisschen teasern, Loreley? 

Loreley: Ich glaube, es wird Die with a smile gesungen und da konnte ich aber leider noch nicht mit üben bis jetzt. Aber da freue ich mich auf jeden Fall sehr drauf und ja, einfach allgemein auf den ganzen Abend irgendwie. So etwas habe  ich vorher noch nie erlebt und auch das mit allen zusammen zu machen, auch mit dem Musikkurs jetzt noch mal. 

Christian: Es gibt einen Moment, mit dem wir die Menschen dann später entlassen aus der Elbphilharmonie oder mit utopischen Gedanken mit in die Welt hinausgeben. Eine dieser Karten von den 1:1 BEGEGNUNGEN kann jede:r Hörer:in nach dem Konzert dann später mitnehmen, in die Zukunft tragen: also eure Fragen! Aber musikalisch gibt es auch einen Kanon, richtig, den wir den Menschen beim Auszug aus der Elbphilharmonie mitgeben. Was ist das für ein Kanon, Loreley?

Loreley: Ja, es ist ein Kanon. Also es wird ein Lied gesungen auf einer Fantasiesprache sozusagen. Ich weiß gerade nicht genau den richtigen Namen von dem Lied, aber auf jeden Fall haben wir das auch jetzt schon im Laufe des Projektes ganz oft gesungen. Also eigentlich jedes Mal, wenn wir bei TONALi waren. Und es klingt auf jeden Fall super cool, vor allem dadurch dass das ein Kanon ist, ergänzt sich das super gut, dass da gesungen wird, da wird später eingesetzt, dort früher. Und dadurch, dass das auch so eine  Fantasiesprache eingesetzt wird.

Johanna: Genau. Der Kanon heißt Ja Dan Duia. So wie der Text des Liedes heißt auch der Titel. Da gibt es eine kleine Aufnahme aus einem Workshop, da hören wir jetzt mal kurz rein. 

TONBEITRAG JA DAN DUIA 

Johanna: Und für die soziale Symphonie könnt ihr, liebe Hörer:innen, natürlich auch schon mal den Kanon üben. Dann seid ihr perfekt vorbereitet für den Abschluss. 

Christian: Ganz genau, das verlinken wir in den Show Notes. Und dann möchten wir uns ganz herzlich bei dir bedanken, liebe Loreley, dass du hier im Podcast mit dabei bist und gewesen bist. Und eine abschließende Frage möchte ich dir noch stellen: Wenn gleich die Hörer:innen diesen Podcast ausstellen und raus an die frische Luft gehen und wissen: „Ach, in wenigen Tagen werden wir Loreley und die anderen in der Elbphilharmonie hören.“ Was möchtest du den Hörer:innen noch mitgeben? Wie können sie sich, außer dass sie den Kanon üben, innerlich für dieses schöne große Projekt vorbereiten?

Loreley: Ich glaube, auf jeden Fall an dem Abend, wo das Konzert stattfindet, sich darauf einzulassen, ganz offen zu sein für alles, was da sozusagen vorgeführt wird und vor allem für einfach auch für das Thema Utopie, also für etwas Schönes und für nichts Negatives, sondern wirklich mal nur positiv zu denken und da wirklich ganz offen reinzugehen und klar, auf jeden Fall den Kanon auch zu üben.

Christian: Ganz genau! Vielen Dank, liebe Loreley, dass du hier bei uns zu Gast warst. Wir freuen uns, liebe Hörer:innen, auch auf euer Kommen und bedenkt auf jeden Fall die Worte von Loreley: Übt schon ein bisschen, „Ja dann du ja", was wir euch ja verlinken und, äh, nehmt ganz viel Positivität mit und hört euch auch die anderen Podcast-Folgen an. Wir freuen uns über euer Feedback unter team@1to1concerts.de. Und vielen Dank auch dir, Johanna, für die Mitmoderation an diesem Podcast. Wir sehen und hören uns am 3. Juli.!


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